Umgefallen

Am Abend war der Rückflug in Heathrow „cancelled“. Wir sollten auf einen späteren Flug ausweichen, möglicherweise um Mitternacht, vielleicht auch erst am kommenden Morgen. Das Personal verteilte Verzehr-Gutscheine. Ich sagte zu meiner Kollegin, komm, wir trinken erstmal ein Bier. Meine Kollegin sagte, lass uns besser etwas essen, und als wir am Tisch mit den Brötchen saßen, begann ich zu zittern. Dann krampfte ich und fiel vom Stuhl. Eine Traube Menschen scharrte sich um mich, zufällig war ein Arzt darunter. Ich hyperventilierte und rang nach Luft. Der Arzt stützte meinen Kopf und reichte mir eine Tüte, in die ich atmen konnte. Ich beruhigte mich ein wenig. Dann wiederholten sich die Anfälle, die sich über vier Stunden dehnten, bis ich mich kurz vor Mitternacht soweit stabilisiert hatte, dass ich mit einem Rollstuhl in den Flieger geschoben werden konnte, und dies allein, weil der Mediziner mit an Bord war und versicherte, dass ich flugfähig sei. Zurück in Köln brachte mich meine Kollegin in ein Krankenhaus.

 

Um sieben Uhr am Morgen war die Infusion durchgelaufen, und ich war erstaunlich ruhig. Eine Ärztin nahm neben meinem Bett Platz, um meine Blutwerte zu besprechen. Meine Leberwerte seien stark erhöht, konstatierte sie und fragte mich, ob ich häufig Alkohol konsumiere. Eigentlich nicht, sagte ich, aber in den letzten Wochen sei es wohl etwas viel gewesen. Die Frage, ob ich zur Beobachtung bleiben wolle, verneinte ich. Sie händigte mir die Entlassungspapiere aus und bat mich, in den kommenden Tagen einen Termin bei meiner Internistin zu vereinbaren, um die Ergebnisse mit ihr zu besprechen. Ich nickte und hatte keine Internistin.

 

In diesem Zustand, der sich in Extremzustände steigerte, hielt ich meine Fassade weitere vier weitere Jahre aufrecht.