Positives Wiederholen, Negatives vermeiden

Schmeckt uns eine Schokotorte außergewöhnlich lecker, durchflutet uns eine wohlige Wärme. Küssen wir unseren Partner in spe, glauben wir, gleich abzuheben. Ob Kaffee, schöne Musik, ein Leibgericht, ein Erlebnis in Gemeinschaft, ein Erkenntnisgewinn, Glück im Spiel oder in der Liebe, ein Bungee-Sprung oder eine Gehaltserhöhung, das Belohnungszentrum ist für vielerlei Reize empfänglich. Sie vereinen sich jedoch in ihrem Ziel. Wir streben nach ihnen, weil das Leben erst über Glücksgefühle einen tieferen Sinn erhält. Über die emotionale Belohnung können wir Objekte, Menschen und Situationen mit einem Wert befüllen – und uns gleich mit. Und keine dieser Erfahrungen geht jemals verloren, sondern fließt ein in einen riesengroßen Erfahrungsschatz, auf den wir uns in künftigen Situationen bewusst wie unbewusst berufen. 

 

Nach diesem einfachen binären Prinzip arbeitet das Gehirn seit der Steinzeit. Es speichert alles danach ab, ob etwas angenehm und gewinnbringend für uns war. Oder ob wir es als schädlich und aversiv empfunden haben. Denn wir sind darauf geprägt, Positives zu wiederholen. Und Negatives zu vermeiden.  

 

In dieses uralte Lern- und Verhaltensprogramm grätschen Drogen hinein. 

 

Über verschlungene Pfade – und aus verzweigten Gründen – setzt das Belohnungszentrum Dopamin-Mengen frei, mit denen sich kein alltägliches Umweltsignal messen kann. Bei Alkohol steigt der Durchschnittswert um 200 Prozent. Bei Kokain um 400 Prozent. Bei Crystal Meth um 1000 Prozent. In einem direkten Vergleich heißt das: Die Vorfreude auf Alkohol kann zehnmal triggernder sein als die Aussicht auf Sex. Das Signalmolekül, das eigentlich dafür gedacht ist, dass wir uns nach dem Traumtyp verzehren, dass wir die Unterschrift unter der Gehaltserhöhung kaum erwarten können, das uns antreibt, unsere tiefsten Bedürfnisse in die Tat umzusetzen und uns den Ausgang solch bedeutender Ereignisse zu merken – dessen Sinn entfremden Drogen Zweck. Und zwar vollkommen aus dem Nichts. Sie zünden ihre Freudenfeuerwerke, ohne dass in der Umwelt etwas geschieht und täuschen darüber Werte vor, wo keine sind. Den inhaltsleeren Gehalt zensiert allerdings kein Gehirn. Es registriert das enorme Wohlbefinden und hält den Konsum als positives Erleben nach, das es unbedingt zu wiederholen gilt. Das war supersuper! Merken!! Mehr davon!!!