Der Motivator

Die steuernde Region im Hintergrund ist das Belohnungszentrum, eine Struktur im Mittelhirn, die immer dann eine erhöhte Konzentration des Botenstoffs Dopamin ausschüttet, wenn wir Objekte, Situationen oder Menschen erblicken, von denen wir uns einen subjektiven Gewinn versprechen. Auf solche Ausschnitte stellen wir scharf und richten unser Handeln zielgerichtet nach ihnen aus. Wir wollen haben! Wir klettern aus dem Bett, weil wir gleich Kaffee trinken dürfen. Wir begrüßen den Morgen, weil wir nachher die neuen Prada-Schuhe kaufen werden. Wir fiebern dem Abend entgegen, weil wir unseren Traummann treffen werden. Als körpereigener Motivator dient dabei stets: das Dopamin. Dieser Botenstoff ist unser Antriebsmolekül, quasi unser Molekül des Wollens, und die ausgeschüttete Molekül-Menge ein Indikator dafür, wie verlockend ein Reiz für uns ist.

 

Je mehr Dopamin im Belohnungszentrum zirkuliert, umso vorfreudiger werden wir. Das Date macht uns kribbeliger als der Kaffee. Doch aufgeregt sind wir immer aus dem gleichen Grund: Wir wollen prüfen, ob unsere Wahl die richtige war und sie uns das antizipierte Plus auf dem Glückskonto bescheren wird. 

Bleibt ein Moment hinter dieser Erwartung zurück, ist etwa die Milch im Kaffee sauer oder trägt das Date einen Ehering am Finger, senkt das Belohnungszentrum den Dopamin-Spiegel rapide ab. Wir sind enttäuscht, wissen aber, dass wir auf solche Erfahrungen künftig verzichten können. Hirnforscher sprechen hier von einer „Belohnungsfehlvorhersage“. Tritt hingegen der positive Fall ein und ein Erleben ist so schön wie erhofft, oder gar noch besser, stellt das zentrale Nervensystem einen Chemiecocktail aus Dopamin und Adrenalin, aus Noradrenalin, Endorphin und Enkephalin zusammen, der uns in einen – an sich – natürlichen Rauschzustand erhebt. Dieser Kick kann sich von sanft bis vehement artikulieren.