Nüchtern war ich schüchtern. Das Foto zeigt mich mit 16 Jahren.


Das letzte Tabuthema unserer Zeit

Bezogen auf die Zahlen, lässt sich meine Krankheit recht gut einfangen. Alkoholismus ist die in Deutschland am weitesten verbreitete Abhängigkeit. Die Zahl der krankheitsbedingten Fehltage, die auf eine Suchterkrankung zurückführen, ist in den vergangenen zehn Jahren um 17 Prozent gestiegen. Fast jede zweite Arbeitsunfähigkeit basiert auf Alkoholmissbrauch. Für Deutschland beziffert die Weltgesundheitsorganisation WHO die alkoholbedingten wirtschaftlichen Ausfallkosten auf rund 39 Milliarden Euro im Jahr 2017. Alkohol verursacht zahlreiche Begleit- und Folgekrankheiten, darunter Krebs, Herzinfarkte, Bluthochdruck, motorische Störungen und Schädigungen des Zentralnervensystems. Die Bundesregierung schätzt, dass jährlich 73 000 Menschen an den Folgen ihres Konsums sterben. 10 bis 15 Prozent der Deutschen hat mindestens einmal im Leben Schwierigkeiten wegen Alkohols, sei es wegen Führerscheinentzugs, familiärer Trennungen, Kündigung oder gesundheitlicher Einschränkungen. Etwa 4 Prozent der erwachsenen Bevölkerung gilt als ernsthaft abhängig (2,5 von rund 65 Millionen Personen), womit Alkoholismus nach Herz-Kreislauf-Problemen und Krebs die drittgrößte Volkserkrankung ist. Hinzu kommen 10 Millionen Erwachsene, die riskant konsumieren und/oder an der Schwelle zur Abhängigkeit stehen.

 

Damit macht Alkoholismus den größten Anteil innerhalb aller Süchte aus. In den USA, Deutschland und zahlreichen anderen Ländern belegt Alkohol unangefochten den ersten Platz als tödlichste aller Drogen. Zugleich genießt kein anderes Suchtmittel eine gesellschaftliche Akzeptanz wie der Alkohol. Was logisch ist, weil er Droge sein kann, aber nicht muss.