Über mich


Was soll ich sagen? Was gehört hier her? In einem Lebenslauf könnte ich notieren, ich hätte Journalismus studiert. Ich hätte das Studium mit einem Diplom abgeschlossen. Ich hätte mit 21 Jahren bei einer Regionalzeitung volontiert und dort mit 24 Jahren meine erste Stelle als politische Redakteurin angetreten. Stimmt alles. Unter Auszeichnungen könnte ich hervorheben, ich hätte den Deutschen Journalisten-Preis Ruhr gewonnen und eine lobende Erwähnung beim Axel-Springer-Preis erhalten. Ich könnte hinzufügen, ich sei 2010 für den Deutschen Reporterpreis nominiert worden. Stimmt auch. Aber spätestens bei diesem Satz schnürt sich alles in mir zusammen. Denn diese Nominierung habe ich wenige Wochen nach meinem Totalabsturz erhalten, den ich mit einem Promille-Wert von 4,2 knapp überlebt habe.

 

Die Wahrheit ist die, dass ich all das gefürchtet habe. Meinen Job, die Reaktionen meiner Umwelt, das Schreiben, mich. Dass ich unter weißen Blättern litt, nicht ein bisschen, sondern gigantisch. Dass ich verkrampfte und mein Magen rebellierte, wenn ich eine Seite mit Worten befüllen sollte. Dass meine Kollegen meine Schreibe ganz gut fanden. Ich aber nie. Ich fand das alles scheiße. Ich fand mich scheiße. Ich fand meine Artikel scheiße. Ich fand die Angst, die ich beim Schreiben empfand, scheiße. Das Ehrlichste ist: Nach meiner Reha bin ich nicht in meinen Beruf zurückgekehrt. Ich habe mir eine Auszeit genommen. Von mir, von meinem bisherigen Leben und von meiner Rolle, die ich in ihm gespielt hatte. Ich wollte lernen, ich selbst zu sein anstatt eine erschreckend gut funktionierende Fassade zu verkaufen. 

Wer immer ich zu dieser Zeit war, was immer ich zu dieser Zeit wollte, ich wollte sicherlich nicht nach Venedig. Man hatte mich wenige Monate zuvor aus der geschlossenen Psychiatrie entlassen, ich war mehrfach rückfällig geworden und irgendwo in diesem Zwischenraum hatte ich einen Text über einen Mann geschrieben, der seine Arbeitslosigkeit vor seiner Familie verbarg. Mit diesem Text war ich für den Deutschen Reporterpreis nominiert. Die obigen Zeilen hatte ich als Kurzvorstellung für das Internet verfasst.